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Viel
Wissenswertes beim Altdorfer Infotag |
22.05.1999
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ALTDORF
(DB3) - Viel Wissen und Informationen konnten beim diesjährigen
Altdorfer Infotag vermittelt werden, der am 22. Mai 1999 im Gerätehaus
der Feuerwehr Altdorf stattfand. Organisator Axel Topp (FF Altdorf)
hatte dazu zahlreiche Referenten eingeladen, die in ihren Vorträgen
die Führungsstruktur, rechtliche Grundlagen, Einsatzleitung
und vor allem die Zusammenarbeit zwischen den Hilfsorganisationen
Feuerwehr und Rettungsdienst darstellten. Kreisbrandinspektor
Fritz Pöllot
konnte als Publikum zahlreiche Kräfte der genannten Organisationen
begrüßen, die sich durch diese Themen ein Bild über
die jeweilige andere Organisation machen und wertvolle Informationen
für einen gemeinsamen Einsatz gewinnen konnten. Schwerpunkt
der Veranstaltung war zweifelsohne der Vortrag des Feuerwehrarztes
Dr. Klaus Friedrich. Er stellte die schonende Rettung einer Person
aus einem verunfallten Fahrzeug in Theorie und Praxis vor und gab
auch wertvolle Hinweise für die Zusammenarbeit zwischen Feuerwehr
und Rettungsdienst. |
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Zu
Beginn referierte OVAR Gerhard John über die Aufgaben und Pflichten
des Landkreises gegenüber Feuerwehr und Rettungsdienst. Nach
Art. 1 des Bayerischen Feuerwehrgesetzes sind die Gemeinden verpflichtet,
zur öffentlichen Gefahrenabwehr Feuerwehren aufzustellen, auszurüsten
und zu unterhalten. Dazu gehört auch die Löschwasserversorgung.
Der Landkreis steht in der Pflicht, überörtlich erforderliche
Fahrzeuge oder Geräte zu beschaffen oder hierfür Zuschüsse
zu geben. Er
erklärte den Unterschied zwischen Pflichtleistungen und freiwilligen
Leistungen einer gemeindlichen Feuerwehr. Freiwillige Leistungen
sind all diejenigen Tätigkeiten, die nicht zur unmittelbaren
Gefahrenabwehr dienen und die eine Feuerwehr durchführen kann,
wenn sie dadurch ihre Einsatzbereitschaft nicht beeinträchtige.
Schließlich
ging er noch auf die Änderungen im Satzungsrecht ein, die den
Kommunen erweiterte Möglichkeiten zur Weiterverrechnung von
Einsätzen geben. |
Das Thema des Vortrags von Kreisbrandinspektor
Fritz Pöllot
hieß "Einsatztaktik an Schadensstellen". Am Beispiel des
Taktikschemas erklärte er die Aufgaben des Örtlichen Einsatzleiters.
Dazu gehören die Feststellung und Erkundung der Lage, daraus resultierend
eine sorgfältige, zielgerichtete Planung des Einsatzes, die dann
zur Befehlsgebung an die Einheiten führt. Daß dieses Schema
nicht statisch ist, erkennt man daran, daß durch eine Änderung
der Lage unter Umständen neue Gesichtspunkte in die Einsatzplanung
einfließen und dann auch zu einer Änderung des Einsatzbefehles
führen können. Aus der Darstellung des "Löschenden
Narr's" aus dem Jahre 1428, der aus lauter Eifer einen kleinen Brand
löschte, aber das große Feuer hinter seinen Rücken nicht
wahrnahm, zog KBI Pöllot die Erkenntnis, daß man als Einsatzleiter
kein unverrückbares Ziel vor Augen haben soll, sondern auch einmal
um sich schaut, um eine Veränderung der Lage zu erkennen und entsprechend
zu handeln.
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Die Führungsstruktur
des Rettungsdienstes wurde vom Leiter des BRK-Rettungsdienstes
im Lkr. Nürnberger Land Reinhard
Dümler
vorgestellt. Zuständig für die Zusammenarbeit von Rettungsdienst
mit anderen Hilfsorganisationen ist der Organisatorische Leiter
der Rettungsdienstes, auch OrgL genannt. Er ist rund um die Uhr
verfügbar und wird hauptsächlich von ehrenamtlichen
Kräften aus den Rettungsdiensten gestellt. Er tritt vor allem
bei größeren Schadensereignissen in Aktion, wenn zudem
mit mehreren Verletzen zu rechnen ist. Gekennzeichnet ist er mit
einer gelben oder roten Jacke mit der Aufschrift "Einsatzleiter"
oder "Organisationsleiter".
Der "Leitende
Notarzt" ist der oberste Einsatzleiter an einer Schadensstelle.
Im Wohle der Patienten entscheidet er, wo und wann die Hilfskräfte
mit ihrer Arbeit beginnen sollen. Ist vom Landkreis kein leitender
Notarzt bestellt, so nimmt der als erstes an einer Unfallstelle
eintreffende Notarzt dieses Amt wahr.
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Die Führungsstruktur der Feuerwehr erläuterte KBM
Lachmann.
Er erklärte den Anwesenden, an welchen Merkmalen der Einsatzleiter
der Feuerwehr an der Einsatzstelle erkennbar ist. Er stellte dar, daß
die Feuerwehr in der Regel immer in Zugstärke (18 Mann) zum Einsatzort
ausrückt und daß die kleinste Taktische Einheit der Feuerwehr
- ein Trupp - nicht alarmierbar sei.
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Auch
der Notarzt Dr. Christian Matern aus Schwarzenbruck hatte einen
Vortrag vorbereitet. Zu Beginn zeigte er den Ablauf eines Einsatzes
aus notärztlicher Sicht auf. Damit verbunden gab er immer wieder
Hinweise, inwiefern Kräfte der Feuerwehr den Rettungsdienst
bei seiner Arbeit helfen können und worauf zu achten sei. Anhand
von persönlicher Erfahrung über die Zusammenarbeit Rettungsdienst
- Feuerwehr an der Einsatzstelle zeigte er auf, an welchen Stellen
sie gut umgesetzt wird und wo es sie noch zu verbessern gilt. Das
oberste Ziel sei das Wohl des Patienten, und in seinem Sinne muß
gehandelt werden. |
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Das war dann
auch eine gute Überleitung für den großartigen
Vortrag des Feuerwehrarztes Dr. Friedrich. Er gab wertvolle Informationen
über den Ablauf der Rettung einer verletzten Person aus einem
verunfallten Fahrzeug.
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In erster Linie ist wichtig, die Fahrzeugtechnik genau zu kennen. So ist
das Fahrzeugdach ein wichtiges Stabilitätselement der Karosserie.
Nimmt man es zur Rettung der verletzten Insassen ab, muß man sich
darüber im Klaren sein, daß dadurch das Unfallfahrzeug an Stabilität
verliert. Ein weiteres Problem stellen die zahlreichen Airbag's in den
neueren Fahrzeugen dar, da sie je nach Fahrzeugtyp an anderen, für
die Feuerwehr oft unbekannten Stellen sitzen. Sie können bei einer
Rettung unkontrolliert auslösen und sowohl den Patienten als auch
die Hilfskräfte schwer verletzen.
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Überhaupt
muß bei der Rettung sehr schonend vorgegangen werden. Jegliche
Art von Schwingungen des Fahrzeuges sind unbedingt zu vermeiden,
da sie sich unmittelbar auf den Patienten übertragen. Gerade
die Bewegungen des Kopfes übertragen sich auf die Wirbelsäule
und können bei Verletzungen in diesem Bereich zu einer weiteren,
weitaus größeren Schädigung führen. Um die
Schwingungen so gering wie möglich zu halten, ist das Fahrzeug
als erstes zu unterbauen und die Luft aus den Reifen zu lassen,
damit es einen festen Stand hat. Anschließend kann man beginnen,
einen Zugang für den Notarzt zum Patienten zu schaffen. |
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| Die
Frontscheibe wird entfernt, um den Notarzt einen schnellen Zugang
zum Patienten zu ermöglichen. |
Dr.
Friedrich gibt Hinweise zum Entfernen der Fahrertüre. |
Das wichtigste Anliegen des Feuerwehrarztes war es, den anwesenden Feuerwehrkräften
zu vermitteln, daß bis auf wenige Ausnahmen keine Notwendigkeit
besteht, die verletzte Person im Rahmen der Ersten Hilfe aus dem verunfallten
Fahrzeug zu ziehen. Die Anwendung des oft gelernten Rautekgriffs führe
zu einer Verdrehung der Wirbelsäule und bringe so die Gefahr einer
Querschnittslähmung erst mit sich. Die sicherste Vorgehensweise ist
somit, den Patienten im Unfallauto zu belassen und ihn dort mit der notwendigen
Ersten Hilfe zu versorgen, bis der Rettungsdienst eintrifft. Nur wenn
das Fahrzeug z.B. abzustürzen oder zu brennen droht, wählt man
den Weg der "Crash-Rettung".
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| Nur
diejenigen Kräfte und Geräte sind direkt am Fahrzeug,
die unmittelbar eingesetzt sind. Alle anderen halten sich außerhalb
eines 5m-Kreises auf. |
Nach
dem Entfernen der Türe begutachtet der Notarzt den Fußraum
und untersucht den Patienten auf mögliche Beinverletzungen. |
Ein wesentlicher Aspekt für einen erfolgreichen Einsatz ist die Kommunikation
zwischen Notarzt bzw. Rettungsdienst und der Feuerwehr. Die gegenseitige
Kritik der Organisationen nach einem Einsatz ist meistens darauf zurückzuführen,
daß man sich über die notwendigen Maßnahmen nicht unterhalten
hat. Wie sein Vorredner Dr. Matern unterstrich Dr. Friedrich nochmal,
daß es in erster Linie um das Wohl des Patienten geht.
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| Um
das Dach zu entfernen, werden die Holme mit der Rettungsschere durchtrennt. |
Jetzt
hat der Notarzt genügend Freiraum, weitere ärztliche Maßnahmen
zu treffen. |
Ist der Verunfallte soweit notärztlich versorgt, kann er unter Zuhilfenahme
der Schaufeltrage aus dem Fahrzeug gebracht werden. Sie wird zwischen
der Rückenlehne und dem Patienten positioniert, der dann unter der
Mithilfe von mehreren Kräften auf das Kommando des Notarztes zwar
schonend, aber ein einem Zug nach oben auf die Trage gezogen wird.
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| Um
den Verunfallten schonend aus dem Fahrzeug zu bringen, wird eine
Schaufeltrage zwischen Rückenlehne und Patienten gestellt.
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Anschließend
wird er auf die Trage gezogen. |
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| Wurden
die Beine des Verunfallten eingeklemmt, kann die Lenksäule
mit Hydraulikzylindern einige cm weggedrückt werden. |
Die
Zuschauer verfolgten interessiert die von Dr. Friedrich kommentierte
praktische Vorführung der schonenden Rettung. |
Zum Abschluß dankte KBI Fritz Pöllot allen Referenten für
ihr Kommen und den Zuhörern für ihr Interesse. Besonders bedankte
er sich bei Dr. Friedrich für seinen Vortrag und beim Organisator
Axel Topp, der diese großartige Veranstaltung in die Wege geleitet
hatte.
Bericht:
KFV Online
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