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Gefahrgutunfall
in Hersbruck |
01.07.2000 |
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Hersbruck (DB1)
- Am Freitag, dem 30.06.2000 wurde die Feuerwehr Hersbruck um 14:39
Uhr durch die Polizeiinspektion Lauf zu einem Säureunfall in das Hersbrucker
Industriegebiet gerufen.
Näheres war zum Zeitpunkt der Alarmierung noch nicht bekannt. An der
Einsatzstelle bot sich den Kräften folgendes Bild: Bei Umladearbeiten
von Folienresten aus einem großen Schuttcontainer in einen kleineren
Behälter beschädigte der 40-jährige Baggerfahrer mit den Greifarmen
des Baggers einen verschlossenen Kunststoffbehälter.
Durch den Druck zerplatzte dieser und eine unbekannte Flüssigkeit spritze
durch die geöffnete Windschutzscheibe in das Führerhaus direkt
auf den Baggerführer.
Dieser erlitt hierbei u.a. durch Verschlucken der Flüssigkeit schwerste
Verätzungen der Schleimhäute, der Haut und auch der Lunge.
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| Hier der
durch die Flüssigkeit angegriffene Führerstand |
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Der
Container nach Abnahme des Daches
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Was genau in dem
Faß enthalten war, war nicht bekannt. Dem Entsorgungsunternehmen war
ebenfalls nicht bekannt, dass sich Chemikalien in dem Container befanden.
Die Kräfte des Rettungsdienstes brachten den lebensgefährlich verletzten
Baggerfahrer aus der Fahrzeugkabine und verbrachten diesen in eine ausreichend
entfernte Halle. Hier musste der Mann vom anwesenden Notarzt sofort
in ein künstliches Koma versetzt werden, da die Verletzungen derart
schwerwiegend waren. Nach der Versorgung an der Einsatzstelle wurde
der Patient mit dem Rettungshubschrauber Christoph 27 ins Klinikum Nürnberg-Nord
geflogen.
Die Feuerwehr
Hersbruck versuchte derweil durch Messungen den Stoff zu bestimmen,
was nicht eindeutig möglich war. Hierbei wurden auch Informationen von
Chemikern eingeholt und außerdem die telefonische Beratung, im
Rahmen der TUIS (Stufe 1) in Anspruch genommen,
die den weiteren Einsatzablauf bestimmten.
Nach weiteren Recherchen, auch bei der Firma von der der Behälter
abgeholt wurde, verhärtete sich der Verdacht, daß es sich bei dem Stoff
möglicherweise um Natronlauge handeln könnte.
Die ausgetretene, ätzende Flüssigkeit wurde in Einwegfässer verbracht.
Bei den Bergungsarbeiten wurden mehrere Chemikalienschutzanzüge eingesetzt.
Einsatzleiter KBR Pawelke erkannte, daß nach wie vor Gefahr für
Leib und Leben von Personen bestand da nicht erkennbar war, welche Stoffe
sich noch im Abrollbehälter bestanden und alles auf eine ungeordnete
Entsorgung von Gefahrstoffen hindeutete.

Da die CSA der Feuerwehr Hersbruck bereits alle eingesetzt waren und
noch weitere Chemikalienschutzanzüge notwendig waren, wurde um
16:10 Uhr die Feuerwehr Altdorf mit dem GW-G nachalarmiert.
Nach Rücksprache mit der Werkfeuerwehr der BASF Ludwigshafen wurde diese
mit Fahrzeugen und Material im Rahmen der TUIS
(Stufe 3) angefordert. Da noch unklar war, ob die Fahrzeuge der Werkfeuerwehr
die Einsatzstelle zur vorgesehenen Zeit erreichen, wurde für den Container
ein provisorisches Holzdach gebaut, um im Falle eines Regens den Kontakt
mit Wasser vermeiden zu können. Die Konstruktion durfte jedoch
nicht luftdicht sein, um ein Sammeln der Dämpfe im Container zu
verhindern.
Das Eintreffen der Einsatzkräfte aus Ludwigshafen war für ca. 21 Uhr
geplant. Nachdem die Einheiten der TUIS mit einem LKW und einem GW-G
gegen 21:30 Uhr an der Einsatzstelle eingetroffen und diesen der Sachverhalt
genauer erläutert wurde, wurde der Container von den Feuerwehrdienstleistenden
der BASF ausgeräumt.
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| Das LF 16/12,
der RW2 und die eingesetzten Fahrzeuge der FF Altdorf bei der Anfahrt
am Abend |
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Der
LKW der WF BASF bei der Ankunft
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Der
GW-G der WF BASF beim Eintreffen
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KBR Pawelke
und KBI Thiel schildern den Kräften aus Ludwigshafen die Situation |
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Ausrüsten
mit CSA und Preßluftatmern
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Die
Kräfte der WF BASF beim Umladen des Abfalles und Aussortieren
des Gefahrgutes
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LF
16/12 der FF Hersbruck beim Ausleuchten
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Der
GW-G der WF BASF
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Im Laufe dieser
Arbeiten wurden durch die Kräfte aus dem Abrollbehälter mehrere
Glasflaschen, gefüllt mit Ammoniak, mehrere Behälter (Inhalt
je 25 Liter) mit brennbaren Flüssigkeiten, verschiedene Behälter
mit ätzenden und giftigen Stoffen, sowie Ölfässer geborgen.
Die meisten dieser Behälter waren mit Plastikfolie so verpackt,
dass sie nur als zu entsorgender Plastikabfall zu erkennen waren.
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Hier
das Auffinden weiterer Kunststoffkanister mit Gefahrgut
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Die geborgenen Gefahrstoffe wurden von Kräften der FF Hersbruck
in insgesamt 13 Fässer verpackt. Der kontaminierte Plastikabfall
und das geborgene Gefahrgut wurde gegen 2 Uhr unter Begleitung der Feuerwehr
mit drei LKW zur Sondermüllverbrennungsanlage ZVSMM Schwabach verbracht,
wo weitere Maßnahmen zur Identifizierung der Stoffe durchgeführt
werden. Der Einsatz war am Samstag morgen, nach ca. 12 Stunden beendet
Wie die Behälter mit den gefährlichen Chemikalien in den Container
kamen ist noch unklar. Die Kriminalpolizei Schwabach ermittelt.
Die mit den gefährlichen
Stoffen benetzten Chemieschutzanzüge der FF Altdorf und Hersbruck
können nicht mit herkömmlichen Mitteln gereingt werden. Sie
wurden noch am Samstag zur Reinigung und Prüfung zur WF BASF nach
Ludwigshafen gebracht. Ein Teil der Schutzausrüstung muß
allerdings auch als Sondermüll entsorgt werden.
Alle Feststellungen
der Feuerwehr deuten darauf hin, dass hier mit hoher krimineller Energie
versucht wurde, Gefahrgut preiswert zu entsorgen. Der sicherlich teuere
Einsatz der Feuerwehr wird vielleicht zu regulieren sein, das bedauernswerteste
Opfer dieser Machenschaften ist jedoch der schwerverletzte Mitarbeiter
der Entsorgungsfirma, der keine Chance hatte, die Gefahr auch nur zu
erkennen, die Tarnung war zu perfekt.
Eingesetzte Kräfte:
KBR Pawelke, KBI
Thiel, KBM Pawelke, KBM Weidinger, KBM Werthner
FF Hersbruck: 2 ELW, TLF 16/25, LF 16/12, RW2, LKW, P250
UG-ÖEL: ELW 2
FF Altdorf: GW-G, Dekontaminationsfahrzeug
WF BASF: GW-G, LKW
Polizei
Rettungsdienst,
SEG Hersbruck
Landratsamt
Bericht: KBR
Pawelke, KFV Online-Team
Fotos: KFV Online-Team |